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Trends & Technologie | 16. Februar 2022

Non-fungible Token: Mit Hilfe der Blockchain reale und digitale Werte übertragen

Was ist der Unterschied zwischen Leonardo Da Vincis Mona Lisa und einem hochwertig gedruckten Poster in gleicher Größe? Genau, ein großer Teil der 2,7 Millionen Besucher wäre 2020 nicht für einen Nachdruck in den Louvre gekommen. Dort hängt das Original, nachgewiesen über vertrauenswürdige Echtheitszertifikate. In der digitalen Welt gab es bisher kein Pendant für solche Nachweise. Bis zur Entwicklung der Blockchain hat sich keine Technologie durchgesetzt, die digitale Güter einzigartig macht.

Das hat sich mit der Etablierung eines Standards für sogenannte Non-fungible Token, kurz NFT, geändert. Die Bezeichnung steht für einzigartige, nicht replizierbare digitale Besitznachweise (Token), die Rechte an einem digitalen oder physischen Vermögenswert oder an einer Urkunde abbilden. Viele NFTs basieren auf den Protokollen der Blockchaintechnologie von Ethereum und sind damit technisch sehr ähnlich zu Kryptowerten.

NFT-Boom bei digitalen Sammlerstücken

Weil mit ihrer Hilfe verknüpfte Rechte eindeutig nachgewiesen und übertragen werden können, treiben derzeit vor allem digitale Sammlerstücke (engl. collectibles) das Transaktionsvolumen. Als teuerster NFT gilt eine aus 5.000 Einzelbildern zusammengesetzte Collage des Künstlers Mike Winkelmann alias Beeple. Sein Werk “The First 5000 Days” erlöste im vergangenen Jahr bei einer Auktion von Christie´s 69,3 Millionen US-Dollar.

Die Marktkapitalisierung aller NFTs wird auf etwa 7 bis 25 Mrd. US-Dollar taxiert und wächst schnell, allerdings unter sehr starken Schwankungen. Insbesondere viele junge Menschen handeln und sammeln NFTs. Wurden früher Fußballsammelkarten auf dem Schulhof getauscht, sind es heute ihre digitalen Abbilder, die durch die Tokenisierung einzigartig werden sollen. Mit Visa hat sogar ein Finanzdienstleister ein NFT aus der Reihe “Cryptopunks” erworben.

Man muss sich kritisch fragen, ob wirklich alles, was derzeit als NFT gehandelt wird, tatsächlich auf Dauer werthaltig ist oder nur dem gegenwärtigen Hype geschuldet ist. Tatsächlich lernen aber mit dem Kauf und Tausch von NFTs Nutzer den Umgang und Handel mit Kryptotoken. Heute erwerben sie Sammelkarten als NFT, morgen vielleicht schon Anteile an realen Kunstwerken oder Immobilien. NFTs sind auch in Computerspiele und in die gehypten virtuellen Welten des Metaverse (eine Art in kollektiver virtueller Raum) eingezogen. In den virtuellen Welten The Sandbox und Decentralland geben Nutzer Millionen US Dollar für den Kauf virtueller Grundstücke aus.

NFTs für reale Güter

Die aktuelle Berichterstattung über die Anwendung von NFTs in der Kunst- und Gamingwelt, sollte nicht dazu führen, diese Entwicklung zu unterschätzen.

Denn nicht nur Collectibles und digitale Gegenstände in virtuellen (Spiele-)Welten werden in NFTs dargestellt, sondern ebenfalls können reale Güter und Rechte mit einem Token digital verknüpft und handelbar gemacht werden. So “verbriefen” NFTs bereits Rechte an realen Vermögenswerten, wie Kunstwerke, Immobilien, Sammlerstücke und Urkunden.

Die DZ Privatbank hat als erste Bank innerhalb der genossenschaftlichen Finanzgruppe, die prototypische Tokenisierung von physischem Gold erfolgreich durchgeführt. Hierzu hat sie physisch hinterlegtes GreenGold (zertifiziert nachhaltig produziert) aus dem Eigenbestand im Gegenwert von 1 g mit registrierter Seriennummer als NFT erzeugt. Wie weitere physische Gegenstände als NFT abgebildet werden können, zeigt das Chemnitzer Start-up Authentic.network.

Weil diese Anwendungen für die Realwirtschaft auch für den Finanzbereich interessant ist, haben sich in einem Trend LAB (wie das funktioniert, ist hier erklärt) der DZ BANK Gruppe Vertreter verschiedener Fachbereiche und Gruppenunternehmen sowie der Atruvia vertieft mit den Grundlagen und Anwendungsmöglichkeiten befasst.

Potentiale für den Finanzsektor?

Vorreiter in der Nutzung sind die Kunst-, Gaming-, Entertainment- und Sport-Industrie. Daneben verproben immer mehr Branchen die Potenziale von NFT, wie z.B. Modefirmen oder die Eventbranche. Und tatsächlich entstehen bereits komplette Ökosysteme, in denen verschiedene Dienstleister Tokenisierungs-, Handels-, Treuhand- und Zahlungsdienstleistungen sowie ergänzende Services entwickeln. Auf der realen Kunstausstellung Art Basel sollen laut Medienberichten NFTs bereits im Mittelpunkt verschiedener Veranstaltungen gestanden haben.

Mit der Tokenisierung physischer Gegenstände kann auch ein digitaler Zwilling als NFT abgebildet und in physischer Abwesenheit des Originalguts transferiert oder zertifiziert werden. Digitale Zwillinge finden insbesondere in der Produktion industrieller Güter, im Supply Chain Management und in der Logistik immer stärker Verwendung.

Dennoch sind bis zum Abschluss des Trend LABs kaum nennenswerte eigene NFT-Projektaktivitäten von etablierten Finanzdienstleistern bekannt geworden. Gegenwärtig aktiv sind vor allem spezialisierte Unternehmen wie 360X, Sygnum, Bitbond, Centrifuge, Cashlink, Opensea und Binance, die Teilprozesse innerhalb der Wertschöpfungsprozessen tokenisierter Assets anbieten. Einige suchen die Kooperation mit Finanzdienstleistern. Lediglich 360X als Tochter der Commerzbank und der Deutschen Börse arbeitet derzeit nach unserem Wissen an Prototypen für die Finanzbranche.

Dabei könnten Banken durch die Entwicklung neuer Dienstleistungen zusätzliche Ertragsquellen generieren, wie z. B. durch den Betrieb einer Handelsplattform für NFTs, Tokenisierungsservices (vertrauenswürdige Kennzeichnung von Real Assets und deren Eintragung in eine Blockchain) für Privat- und Firmenkunden, Oracle- oder Treuhand-Dienste. Nicht alle gegenwärtigen Angebote der NFT-Ökosyteme erfüllen die Ansprüche an vertrauenswürdige Services. Daher besteht auch in der digitalen Welt der Wunsch nach qualitativ hochwertigen und sich an Compliance haltenden Dienstleistern. Für eine profitable Gestaltung bedarf es aber einer höheren Marktdurchdringung und sicher auch regulatorischen Klarstellungen.

Darüber hinaus haben sich Mitarbeiter der DZ BANK über eine Ideenkampagne und die Teilnehmer des Trend LABs über weitere Anwendungsfälle für die Gruppe Gedanken gemacht und sehen für die Zukunft einige potenzielle Möglichkeiten.

Der Markt für NFTs steht noch am Anfang, entwickelt sich aber nach Einschätzung der im Trend LAB gehörten Experten schnell weiter und professionalisiert sich immer stärker. NFTs bieten zahlreiche Anwendungsmöglichkeiten, die einerseits helfen können, die Effizienz und Kosten bestehender Verfahren zu reduzieren und andererseits die Erschließung neuer Ertragsquellen zu ermöglichen.

Achtung beim Kauf von NFTs

Ein Hinweis für die Kollegen, die mit dem Gedanken spielen, auf einer Plattform wie opensea.io einen NFT aus Sammelleidenschaft oder gar in der Hoffnung auf Wertsteigerung zu erwerben. In der öffentlichen Berichterstattung wird häufig der Eindruck erweckt, dass der Käufer eines NFTs gleichzeitig der Eigentümer ist, der alles mit dem digitalen Gut machen kann. Es lohnt sich, dies kritisch zu hinterfragen. Darauf hat ein Jurist, der Partner einer internationalen Wirtschaftskanzlei ist, in unserem Trend LAB hingewiesen. NFTs sind rechtsneutrale Datensätze, deren Bedeutung und die mit ihnen verbundene Rechtsposition durch die ihnen zugrundeliegenden „Terms and Conditions“ Geschäftsbedingungen ausgestaltet werden. So können NFTs je nach Rechtsordnung Eigentumsrechte, Lizenzrechte und eine Vielzahl sonstiger Rechte verkörpern. Wer zum einen wissen möchte, was er erwirbt und sein Geld nicht für gegebenenfalls wertlose digitale Nullen und Einsen ausgibt, sollte sich die Zeit nehmen, in das Kleingedruckte zu schauen. Eine beispielhafte Analyse dazu bieten zwei Anwälte auf der Webseite Der Standard am Beispiel der Terms of Services eines NFT auf das digitale Abbild des Kunstwerkes „The Kiss“ von Gustav Klimt.

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